Das komplette Interview zum Nachlesen:
Welche Probleme siehst du aktuell bei der Planung neuer Kindergärten?
Das grösste Problem liegt oft in der Dimensionierung: Viele Kindergartenräume sind zu klein geplant. Die verfügbare Fläche pro Kind ist häufig knapp bemessen, was im Alltag zu Platzmangel führt – sowohl beim Spielen als auch bei organisatorischen Abläufen.
Kinder brauchen Raum, um sich zu bewegen, zu entdecken und kreativ zu sein. Wenn dieser Raum fehlt, wirkt sich das direkt auf die Lernatmosphäre aus. Eine zeitgemässe Grundrissplanung im Kindergarten sollte daher genügend Platz für alle Spiel- und Lernbereiche bieten – vom Rollenspiel über die Bauecke bis hin zum sensomotorischen Arbeiten.
Was ist bei der Grundrissplanung eines Kindergartens besonders wichtig?
Eine gute Grundrissplanung berücksichtigt die Vielfalt kindlicher Bedürfnisse. Es braucht offene, helle und flexible Räume, die Bewegung, Rückzug und Gruppenarbeit gleichermassen ermöglichen.
Wichtig ist, dass für jede Aktivität genügend Platz vorgesehen wird – Basteln, Malen, Forschen, Gesellschaftsspiele oder freies Spielen. Eine durchdachte Raumstruktur unterstützt nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrpersonen in ihrem pädagogischen Alltag.
Welche Fehler passieren in der Praxis besonders häufig?
In der Praxis zeigen sich immer wieder ähnliche Schwachstellen. Besonders auffällig sind zu kleine Garderoben, obwohl sie eine zentrale Rolle im Tagesablauf spielen. Nach konzentrierten Lernphasen brauchen Kinder dort Raum, um sich zu bewegen, umzuziehen oder kurz zu entspannen. Wenn dieser Bereich zu eng ist, entsteht unnötiger Stress.
Auch bei Details wie Fensterhöhen, Lavabos oder WCs werden häufig Standardmasse aus der Primarschule übernommen, ohne auf die Grösse der Kindergartenkinder zu achten. Solche Kleinigkeiten lassen sich leicht vermeiden, wenn pädagogische Fachpersonen frühzeitig in die Planung eingebunden werden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Expertinnen und Fachpersonen einzubeziehen?
Idealerweise schon in der konzeptionellen Phase eines Kindergarten-Neubaus.
Sobald der Grundriss grob steht, lohnt sich der Einbezug von Fachleuten, die mit der Praxis vertraut sind. Oft können schon kleine Anpassungen – wie eine anders platzierte Tür oder zusätzliche Stauraumlösungen – die Nutzung des Raumes entscheidend verbessern.
Frühzeitige Zusammenarbeit spart später Aufwand und Kosten, weil sich viele Fehler bereits auf dem Plan korrigieren lassen.
Wie mutig dürfen wir beim Kindergarten Neubau planen?
Viele Kindergärten orientieren sich noch immer an veralteten Schulstandards. Dabei darf und sollte man beim Kindergarten Neubau mutiger denken. Höhenunterschiede, Galerieebenen oder Nischen schaffen Abwechslung und fördern Bewegung. Rückzugsorte und Gemeinschaftsflächen sorgen für Balance zwischen Aktivität und Ruhe.
Ein weiterer Punkt ist die Farb- und Materialwahl. In vielen Projekten wird mit auffälligen Farben und Mustern gearbeitet, obwohl das gar nicht nötig ist. Ein Kindergarten ist durch Kinder, Spielsachen und Kunstwerke ohnehin bunt genug. Natürliche Materialien, Holz und sanfte Töne wirken ruhiger und fördern Konzentration sowie Wohlbefinden.
Wie viel Mobiliar braucht ein Kindergarten wirklich?
Weniger ist oft mehr. In vielen Einrichtungen stehen bis zu 50 Prozent mehr Möbel, als tatsächlich benötigt werden. Das schränkt die Bewegungsfreiheit der Kinder ein und macht die Räume unruhig.
Ein durchdachtes Konzept setzt auf funktionale, flexible Möbel – wenige, aber sinnvolle Elemente, die sich unterschiedlich nutzen lassen. Fensterbänke können als Spiel- oder Ablagefläche dienen, Regale als Raumtrenner. Spielmaterial lässt sich saisonal austauschen, anstatt alles gleichzeitig anzubieten. So bleibt der Raum lebendig, offen und übersichtlich.
Welche Aspekte werden bei der Planung oft übersehen?
Ein häufig unterschätztes Thema ist die Akustik. In Neubauten wird sie meist berücksichtigt, aber oft nicht in allen Bereichen – etwa in der Garderobe, wo der Lärmpegel besonders hoch ist.
Auch der Wohlfühlfaktor wird oft vernachlässigt. Teppiche, Vorhänge, Pflanzen oder natürliche Materialien schaffen eine angenehme Atmosphäre und tragen entscheidend dazu bei, dass Kinder und Lehrpersonen sich im Raum wohlfühlen. Diese Details machen den Unterschied zwischen einem funktionalen und einem lebendigen Kindergarten.
Was wünschst du dir für die Kindergärten der Zukunft?
Kindergärten der Zukunft sollten grosszügiger, flexibler und kindgerechter geplant werden. Kinder brauchen Platz – sowohl physisch als auch emotional. Mehr Raum, weniger Mobiliar und eine praxisnahe Grundrissplanung schaffen die Basis für Lernräume, in denen Kinder neugierig, kreativ und selbstständig sein dürfen.
Ein moderner Kindergarten Neubau sollte immer mit dem Ziel entstehen, das Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder ins Zentrum zu stellen.
Fazit
Eine durchdachte Grundrissplanung im Kindergarten ist weit mehr als Architektur – sie ist Pädagogik in Raumform.
Wer frühzeitig Fachpersonen einbindet, auf Flexibilität setzt und die Bedürfnisse der Kinder ernst nimmt, schafft Lernorte, die inspirieren und begeistern.















